Das innere Kind, der Teenager mittendrin und der äußere Erwachsene
Die Wohnung im 5. Stock.
Nun sind es ein paar Wochen, zwei, drei Monate her, als ich in den 5. Stock gezogen bin. Die erste Woche verbrachte ich im Dunklen ohne Strom. Meine Herdplatte zum Einstecken blieb kalt, wie auch mein Essen. Am Tag der Übergabe hatte ich eine Lampe zum Einstecken mitgenommen, irgendwas in mir wollte die Steckdosen testen. Schalter an, Licht aus. Der Strom funktionierte nicht. Meine Verwaltung musste gestehen, dass mein Vormieter zwangsgeräumt wurde, den Strom wieder anstellen zu lassen, hatten sie vergessen. Es war Freitagmorgen. Der Vermieter, etwa 1,90 m groß, in etwas zu engen Jeans und einem leicht spannenden Hemd gekleidet, drückte das Klemmbrett gegen seinen Bauch und rief die Stadtwerke an. Er machte Druck, die Mieterin ziehe heute Abend ein, sie brauche Strom. Naiv ging ich zur Arbeit. Immer noch naiv ging ich nach Hause, bereite Snacks vor, packte die letzten Kisten und den Transporter mit all meinen Helfenden. Angekommen, bildeten wir eine Kette durch das Treppenhaus bis in den 5. Stock. Ich stürmte in die Wohnung, steckte die Lampe ein und es blieb dunkel. Wir haben die Kisten in die kleine, dunkle Wohnung geschleppt, viele Kerzen angezündet und sind einmal tanzend mit Eukalyptusblättern durch die Wohnung gegangen, um böse Geister und Gerüche ausräuchern zu können. Danach waren wir Glühwein trinken, die erste Wohnung feiern. Die Wohnung blieb noch eine Woche lang dunkel. Ich rief täglich bei der Verwaltung an, lud meine Zahnbürste bei einer Freundin um die Ecke, nahm alles mit auf Arbeit und gab mir eine indirekte Lohnerhöhung durch exzessiven Stromverbrauch. Da sass ich an meinem kleinen runden, dunkelbraunen Holztisch, umgeben von vielen Kerzen, dem helle Screen meines Laptops, meine Entscheidung hinterfragend. Was habe ich getan? Was, wenn die Person zurückkommt? Hätte ich eine andere Wohnung nehmen sollen? Habe ich am falschen Ort gespart? Hätte ich eine teurere Wohnung nehmen sollen? Nach einer Woche Dunkelheit und ein paar Kilo Kerzenwachs, hatte ich endlich Strom! Das war ein kleiner Gamechanger. Ich konnte nun auf meiner einsteckbaren Herdplatte kochen, mit Licht in meinem fensterlosen Badezimmer duschen, endlos Serien streamen und meine Zahnbürste laden. Seit dem Beginn der Stromversorgung in meiner Wohnung wurde eine Küche auf Kleinanzeigen gekauft, in einen kleinen Transporter gestopft, in den 5. Stock getragen, eine Waschmaschine bestellt und von DHL auf dem Rücken nach oben getragen, das gleiche Spiel mit meinem Standherd. Zwei runde Spiegel wurden gekauft und aufgehängt mit einer unvermeidlichen Gesichtsassoziation, ein Teppich ausgerollt, Pflanzen platziert, Bücher arrangiert und Vorhänge drapiert. Mein inneres Kind fragt sich, ob ich schon alleine wohnen darf, freut sich aber umso mehr über den Ahornsirup im Kühlschrank, den mein erwachsenes Ich gekauft hat, mein innerer Teenager bleibt bis 2 Uhr wach, um eine Serie fertig zu schauen, und mein äusserer Erwachsener geht glücklich, mit etwas Augenringen zur Arbeit.