Mein Buch ist vorbei. Damit schließt sich nicht nur wahrhaftig ein Kapitel, sondern auch metaphorisch eine kleine Welt: entsprungen in meinem Kopf, genährt durch den Strom aus niedergeschriebenen Worten. Aus meiner Erfahrung: je besser das Buch, desto geschärfter wird die kleine alternative Kopfwelt. Auch wenn die Geschichten nicht immer schön sind, die die Grundlage dieser fantasievollen Reisen zu den literarischen Exoplaneten sind, so ist das Gefühl, was sich ergibt, meistens etwas Sorgloses. Warum? Übrigens meine ich mit unschönen Geschichten nicht etwa schlechte Geschichten, sondern nicht unbedingt beschönigende Geschichten über das Leben. Gerade las ich ein solches Buch. Es nahm mich mit zu dem Leben und Sterben der Bewohner eines gelben Hauses. Alle mit einem unsichtbaren Band miteinander verbunden, unter unbewusster, aber beständiger Kontrolle der Natur. Die blieb, während die Bewohner kamen und gingen — irgendwo und irgendwo auch nicht. Trotz alledem entstand in mir ein unbeschwertes Gefühl, jedes Mal, wenn ich die Worte auf der Seite beinahe verschluckte, damit ich möglichst tief eintauchen konnte in das Leben und Sterben der Bewohner des gelben Hauses. Woher kommt das Gefühl? Ist es eine Flucht aus der Realität? Sonderbar, oder, wie Geschichten aus anderen Fantasiewelten so viel auslösen können und uns ein Fenster geben können, durch das wir immer wieder neu, beim Weiterlesen, klettern hinaus aus der gelebten Welt hinein in unseren Kopf, in unsere Fantasie. Was bleibt, sind ein paar Bilder und ein Gefühl. „Schön", denke ich dann immer. „Ich sollte mehr Romane lesen! Dann halt nächstes Mal, weil jetzt kommt ja erstmal das Buch über den irischen Bürgerkrieg."